Aus faulen US-Immobilienkrediten wurde das größte Finanzbeben seit den 1930ern. Als die Bank Lehman Brothers fiel, drohte das ganze globale Bankensystem einzufrieren.
S&P 500: Hoch 1.565 Punkte (9. Okt 2007), Tief 677 Punkte (9. Mär 2009), −57 % — der stärkste Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg. Quelle: S&P-Milestones, Federal Reserve History.
Jahrelang hatten US-Banken großzügig Immobilienkredite vergeben — auch an Menschen, die sie sich kaum leisten konnten („Subprime“). Diese Kredite wurden zu Wertpapieren gebündelt, mit Bestnoten bewertet und an Banken und Anleger weltweit verkauft.
Als die US-Immobilienpreise ab 2006/2007 fielen und immer mehr Kreditnehmer nicht mehr zahlten, brachen diese Papiere zusammen. Am 15. September 2008 meldete die große Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an — das löste eine globale Vertrauenskrise aus. Der S&P 500 stürzte bis März 2009 um 57 % ab.
Der Kern war eine Kette aus falschen Anreizen und blindem Vertrauen. Kreditvermittler verdienten an jedem Abschluss, egal wie riskant. Banken reichten das Risiko weiter, statt es zu tragen. Ratingagenturen gaben riskanten Papieren Bestnoten. Und fast alle nahmen an, dass Immobilienpreise nie flächendeckend fallen.
Als diese Annahme brach, stellte sich heraus, dass niemand mehr wusste, welche Bank wie viele faule Papiere hielt. Die Banken misstrauten einander und liehen sich kein Geld mehr — das Finanzsystem drohte einzufrieren.
Nur durch beispiellose Rettungsaktionen: Staaten stützten Banken mit Steuergeld, Notenbanken senkten die Zinsen auf fast null und kauften massiv Anleihen. Das verhinderte einen totalen Kollaps, konnte die „Große Rezession“ mit hoher Arbeitslosigkeit aber nicht komplett aufhalten.
Der Aktienmarkt fand im März 2009 seinen Boden und erholte sich dann kräftig — der S&P 500 erreichte 2013 wieder sein altes Hoch und startete in eine der längsten Aufschwungphasen der Geschichte. Als Lehre wurden Banken strenger reguliert und müssen seither dickere Kapitalpuffer halten.
2008 zeigt, wie eng das Finanzsystem verflochten ist und wie schnell Vertrauen kippt. Für Anleger gilt: Wer breit gestreut war und ruhig blieb, sah sein Depot binnen weniger Jahre nicht nur erholt, sondern auf neuen Hochs.
Lehman Brothers war eng mit unzähligen anderen Banken verflochten. Ihre Pleite zeigte, dass selbst riesige Institute fallen können — danach traute keine Bank mehr der anderen, und der Geldkreislauf drohte zu stoppen.
Banken sind heute strenger reguliert und besser kapitalisiert, was ein Wiederholungsrisiko senkt. Krisen entstehen aber oft an neuen, unerwarteten Stellen. Völlig ausschließen lässt sich ein erneutes Finanzbeben nicht.
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