Die Mutter aller Crashs: Nach Jahren des kreditfinanzierten Booms brach die New Yorker Börse im Oktober 1929 zusammen — und riss die halbe Welt in die Große Depression.
Dow Jones Industrial Average, nominal. Höchststand 381 Punkte (3. Sep 1929), Tief 41 Punkte (8. Jul 1932). Quelle: Federal Reserve History.
In den „Goldenen Zwanzigern“ boomte die US-Wirtschaft, und immer mehr Menschen kauften Aktien — oft mit geliehenem Geld. Die Kurse stiegen scheinbar endlos, bis der Dow Jones am 3. September 1929 mit rund 381 Punkten seinen Höhepunkt erreichte.
Ende Oktober kippte die Stimmung. Am Schwarzen Donnerstag, dem 24. Oktober 1929, setzte eine Verkaufswelle ein. Am Schwarzen Dienstag, dem 29. Oktober, verlor der Markt an einem einzigen Tag rund 12 %. Bis Mitte November hatte der Dow fast die Hälfte seines Wertes verloren.
Der wichtigste Brandbeschleuniger war der Kauf auf Kredit. Wer Aktien zu einem Bruchteil des Preises „auf Margin“ kaufte, machte in guten Zeiten enorme Gewinne — aber sobald die Kurse fielen, forderten die Broker Geld nach. Wer nicht zahlen konnte, dessen Aktien wurden zwangsverkauft. Das drückte die Kurse weiter, löste neue Nachschussforderungen aus und schuf eine Abwärtsspirale.
Hinzu kamen überbewertete Aktien, eine schwächelnde Realwirtschaft und ein Bankensystem ohne heutige Sicherungen. Als tausende Banken zusammenbrachen, verloren Millionen Menschen ihre Ersparnisse — der Crash wurde zur jahrelangen Depression.
Sie war brutal langsam. Der Tiefpunkt kam erst im Juli 1932 bei rund 41 Punkten — ein Minus von 89 % gegenüber dem Hoch. Erst im November 1954 erreichte der Dow Jones wieder sein Niveau von 1929.
Diese 25 Jahre sind der wichtigste Grund, warum 1929 bis heute als Schreckgespenst gilt. Wichtig zur Einordnung: Ein breit gestreutes Depot mit reinvestierten Dividenden erholte sich deutlich schneller als der reine Kursindex — und die USA hatten damals weder Einlagensicherung noch eine moderne Notenbank-Politik, die heute solche Abstürze abfedern.
1929 zeigt, wie gefährlich Schulden an der Börse sind: Kredit-Hebel verwandeln einen Rückschlag in eine Katastrophe. Wer nur eigenes Geld investiert, das er lange nicht braucht, kann auch tiefe Krisen aussitzen.
Er war der sichtbare Auslöser, aber nicht die alleinige Ursache. Überschuldung, eine schwache Realwirtschaft, tausende Bankpleiten und politische Fehler (etwa eine zu strenge Geldpolitik) machten aus dem Crash erst die jahrelange Depression.
Ein Kurseinbruch jederzeit — die extrem lange Erholung von 25 Jahren gilt aber als unwahrscheinlicher. Heute gibt es Einlagensicherung, Handelsunterbrechungen und Notenbanken, die in Krisen aktiv eingreifen. Garantien gibt es keine.
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