Ein ETF-Depot ist im Ruhestand nur so gut wie der Plan, es zu entnehmen. Dieser ETF-Auszahlplan zeigt, wie lange dein Depot bei einer bestimmten monatlichen Entnahme reicht, wenn der Rest weiter angelegt bleibt und die Entnahme jährlich mit der Inflation steigt.
Beim Auszahlplan verkaufst du regelmäßig ETF-Anteile und lässt den Rest weiter arbeiten. Das ist flexibler und steuerlich oft günstiger als reine Ausschüttungen, weil du Höhe und Zeitpunkt selbst steuerst und den Sparerpauschbetrag gezielt nutzt. Ein thesaurierender Aktien-ETF plus geplanter Anteilsverkauf ist deshalb ein gängiger Weg.
Das größte Risiko ist das Sequence-of-Returns-Risiko: Fallen die Kurse in den ersten Entnahmejahren, zehrt das am Depot überproportional. Ein Cash-Puffer für schlechte Börsenjahre und eine eher vorsichtige Startentnahme (3,5 statt 4 %) senken das Risiko, dass das Geld vorzeitig ausgeht.
Die bekannteste Faustregel für den Ruhestand stammt aus der US-amerikanischen Trinity-Studie: Wer im ersten Jahr rund 4 % seines Vermögens entnimmt und diesen Betrag danach jährlich an die Inflation anpasst, dessen Geld reichte historisch über etwa 30 Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit. Aus 500.000 € ergäben sich so rund 20.000 € im ersten Jahr, also etwa 1.667 € im Monat.
Wichtig: Das ist eine historische Orientierung, keine Garantie. Wer sehr früh in Rente geht oder ganz sichergehen will, wählt oft eine niedrigere Rate von 3,5 % oder 3 %. Und in schwachen Börsenphasen kurz nach Renteneintritt hilft es, die Entnahme flexibel etwas zu senken.
Sieh mit dem FIRE- und ETF-Rechner, wie du dein Zielkapital erreichst.
Der Rechner simuliert deinen Ruhestand Monat für Monat: Das Kapital wird verzinst, die Entnahme abgezogen, und einmal im Jahr wird die Entnahme um die Inflationsrate erhöht. So zeigt sich, wie lange das Geld unter realistischen Bedingungen reicht.
KapitalMonat n = KapitalMonat n−1 × (1 + Rendite ÷ 12) − EntnahmeJeweils nach zwölf Monaten gilt zusätzlich: Entnahme = Entnahme × (1 + Inflation). Die Simulation läuft, bis das Kapital aufgebraucht ist — oder bis 100 Jahre erreicht sind, dann gilt der Plan als dauerhaft tragfähig.
Die ursprüngliche 4-%-Regel basiert auf historischen US-Renditen und einem Anlagehorizont von 30 Jahren. Für Europa, für längere Ruhestandsphasen und bei den heute üblichen Kostenquoten gilt sie vielen als zu optimistisch. Ein zweites Risiko kommt hinzu: die Reihenfolge der Renditen. Fallen die ersten Ruhestandsjahre in einen Börsencrash, wird Kapital zu niedrigen Kursen verkauft und fehlt dauerhaft für die spätere Erholung. Eine Entnahmerate von 3,5 % samt Liquiditätspuffer für zwei bis drei Jahre entschärft beides.
Beispiel: Herr Lang geht mit 600.000 € in den Ruhestand und möchte monatlich 2.000 € entnehmen. Er rechnet mit 5 % Rendite und 2 % Inflation.
Der Rechner kommt auf eine Reichweite von 48 Jahre. Zum Vergleich: Nach der 4-%-Regel wären anfangs 2.000 € pro Monat möglich, nach der vorsichtigeren 3,5-%-Regel 1.750 €.
Reichweite eines Kapitals von 600.000 € bei 5 % Rendite und 2 % jährlicher Inflationsanpassung der Entnahme:
| Entnahme / Monat | Entnahmerate | Reichweite |
|---|---|---|
| 1.500 € | 3,0 % | dauerhaft |
| 1.750 € | 3,5 % | 68 Jahre |
| 2.000 € | 4,0 % | 48 Jahre |
| 2.500 € | 5,0 % | 31 Jahre |
| 3.000 € | 6,0 % | 24 Jahre |
| 4.000 € | 8,0 % | 16 Jahre |
Die Simulation unterstellt eine gleichmäßige Rendite. In der Realität schwanken die Märkte — vor allem schwache Jahre zu Beginn des Ruhestands verkürzen die Reichweite deutlich.
Als grobe Orientierung dient die 3,5- bis 4-Prozent-Regel. Bei 200.000 € Depot wären das rund 580 bis 670 € im Monat zum Start, danach jährlich an die Inflation angepasst. Das ist eine Faustregel, keine Garantie und keine Anlageberatung.
Der geplante Verkauf von Anteilen ist flexibler und steuerlich besser steuerbar als reine Ausschüttungen. Ausschüttungen sind bequem, aber weniger planbar. Viele kombinieren beides je nach Depot und Bedarf.
Kursverluste in den ersten Entnahmejahren wirken besonders stark, weil du Anteile zu niedrigen Kursen verkaufst. Ein Cash-Puffer für ein bis zwei schlechte Jahre und eine flexible Entnahme mildern dieses Risiko.
Auf die Kursgewinne fallen rund 25 % Abgeltungsteuer plus Soli und ggf. Kirchensteuer an; bei Aktien-ETF sind 30 % teilfreigestellt. Nutze den Sparerpauschbetrag und beachte die Vorabpauschale bei thesaurierenden ETF.