Was kostet dich provisionsbasierte Beratung wirklich?
„Die Beratung ist doch kostenlos." Ist sie nicht — sie steckt nur im Produkt. Dieser Report zeigt, wo Provisionen versteckt sind und wie viel Vermögen sie dich über ein Anlegerleben kosten. Sauber gerechnet, mit Quellen.
Stand: 2026 · Quellen: BaFin, Finanztip, Verbraucherstudien
bis 5 %
Ausgabeaufschlag beim Fondskauf
3–5 %
Abschlussprovision der Beitragssumme (Lebens-/Rentenversicherung)
1,5–1,8 %
laufende Kosten aktiver Fonds pro Jahr (ETF: ~0,2 %)
> 90 %
der aktiven Fonds schlagen ihren Index nach Kosten nicht
Quellen: BaFin (Kosten kapitalbildender Lebensversicherungen), Finanztip (ETF-Kosten), Verbraucher- und Fondsstudien. Werte sind typische Spannen und gerundet.
Wo die Provisionen versteckt sind
Provisionsbasierte Vergütung ist selten sichtbar — du zahlst sie nicht per Rechnung, sondern eingebaut ins Produkt. Die vier häufigsten Stellen:
| Kostenart | Wo sie steckt | Typische Höhe |
|---|
| Ausgabeaufschlag | einmalig beim Kauf von Investmentfonds | bis 5 % |
| Abschlussprovision | bei Lebens-/Rentenversicherungen, aus den ersten Beiträgen | 3–5 % der Beitragssumme |
| Bestandsprovision | laufend, aus der jährlichen Verwaltungsvergütung des Fonds | Teil der 0,8–2,5 %/Jahr |
| Laufende Fondskosten (TER) | jährlich, automatisch vom Fondsvermögen abgezogen | aktiv 1,5–1,8 % · ETF ~0,2 % |
Das Tückische: Diese Kosten fallen nicht einmalig an, sondern jedes Jahr — und der Zinseszins wirkt gegen dich.
Der Zinseszins-Effekt der Kosten
Zwei Beispiele mit identischer Marktrendite (7 % pro Jahr brutto), nur unterschiedlichen Kosten:
| Szenario (30 Jahre, 7 % brutto) | Bei hohen Kosten | Bei niedrigen Kosten | Differenz |
|---|
| 10.000 € einmalig | ≈ 43.000 € (2,0 %) | ≈ 72.000 € (0,2 %) | ≈ 29.000 € |
| 200 € monatlich | ≈ 188.000 € (1,5 %) | ≈ 232.000 € (0,12 %) | ≈ 44.000 € |
Vereinfachte Modellrechnung, gleiche Bruttorendite in beiden Spalten; nur die jährlichen Kosten unterscheiden sich. Rundung. Keine Anlageberatung.
Anders gesagt: Ein scheinbar kleiner Kostenunterschied von 1–2 Prozentpunkten pro Jahr kann dich über ein Anlegerleben ein halbes Jahresgehalt oder mehr kosten — bei exakt gleicher Wertentwicklung am Markt.
Ist Provision immer schlecht?
Nein — aber du musst die Kosten kennen. Provision und Honorar sind beide zulässige Vergütungsmodelle. Das Problem ist nicht die Provision an sich, sondern der Interessenkonflikt: Wer am Abschluss verdient, empfiehlt tendenziell das, was Provision bringt — nicht zwingend das Günstigste für dich. Und weil über 90 % der aktiven Fonds ihren Index nach Kosten nicht schlagen, zahlst du oft mehr für weniger Ergebnis.
Was heißt das für dich?
Frag nach den Gesamtkosten. Lass dir Ausgabeaufschlag, Abschluss-/Bestandsprovision und laufende Kosten (TER) schriftlich nennen — in Euro, nicht nur in Prozent.
Rechne den Langfrist-Effekt. Ein paar Zehntelprozent klingen harmlos, summieren sich über Jahrzehnte aber massiv.
Vergleiche Modelle. Honorarberatung (feste Gebühr) oder ein kostengünstiger Selbstbau können über die Laufzeit deutlich billiger sein — müssen es aber nicht in jedem Fall. Rechne es durch.
Rechne deinen Provisions-Effekt aus.Der Provision-vs-Honorar-Rechner zeigt dir den Unterschied über die gesamte Laufzeit — kostenlos.
Zum Rechner →Häufige Fragen
Wie viel Provision steckt in Finanzprodukten?
Beim Fondskauf oft ein Ausgabeaufschlag bis 5 %, bei Lebens-/Rentenversicherungen 3–5 % Abschlussprovision der Beitragssumme, dazu laufende Kosten (aktive Fonds ~1,5–1,8 %/Jahr, teils als Bestandsprovision an den Vermittler).
Wie stark schmälern Kosten meine Rendite?
Sehr stark, weil der Zinseszins auch auf die Kosten wirkt. Bei 10.000 € über 30 Jahre und 7 % brutto bleiben bei 2 % Kosten ~43.000 €, bei 0,2 % ~72.000 € — fast 29.000 € Unterschied.
Ist Provision immer schlecht?
Nein. Provision und Honorar sind beide zulässig. Wichtig ist Transparenz über die Gesamtkosten und das Bewusstsein für den Interessenkonflikt bei provisionsbasierter Vergütung.
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Über den Autor — Thierry SimonGründer und Betreiber von FinanzRat. Sein Ziel: komplexe Finanzthemen für Menschen ohne Vorwissen verständlich machen. Die Inhalte stützen sich auf offizielle Primärquellen und werden regelmäßig auf Aktualität geprüft. FinanzRat ist unabhängig, arbeitet ohne Provisionen und gibt keine individuelle Anlageberatung.
Quellen & Methodik → ·
Redaktionelle Grundsätze Allgemeine Informationen, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlung eines bestimmten Produkts, Anbieters oder Vergütungsmodells. Kostenangaben sind typische Spannen (Stand 2026) und können im Einzelfall abweichen; verbindlich sind die Angaben des jeweiligen Anbieters. Berechnungen sind vereinfachte Modelle. Angaben ohne Gewähr.